Forderungsmanagement insbesondere Mahnung

Forderungsmanagement im Überblick

Eine Forderung entsteht, beispielsweise wenn Unternehmen Kunden einen kurzfristigen Kredit gewähren oder sonstige Dienstleistungen bzw. Sachen verkaufen, wobei Valutafristen oder Zahlungsziele eingeräumt werden. Das Forderungsmanagment hat nun das Ziel die Absicherung und Realisierung dieser Forderungen zu organisieren. Es soll die Liquidität des Unternehmens gesichert werden und somit die Bonität verbessert werden. Neben diesen, die Existenz eines Unternehmens sichernden Maßnahmen, kann durch Forderungsmanagment aber auch günstigeres Kapital bei Kreditinstituten realisiert werden. Bessere Bonität und Kontrolle der Geschäftsrisiken erlauben den Zugang zu weiterem günstigen Kapital.

 

Was ist eine Forderung?

Eine Forderung entsteht, wenn das Unternehmen einem Kunden Lieferungen oder Leistung nicht gegen sofortiges Bargeld, sondern auf Ziel (Kredit) eingeräumt. Dies bezeichnet man als sogenannten Lieferantenkredite. Es wird dem Kunden also in der Regel ein Zahlungsziel und damit eine Kaufpreisstundung zugebilligt. In Deutschland ist ein 30-Tage-Zahlungsziel üblich. Dieser Zeitraum entspricht in Übrigen auch den generellen Normwert in der europäischen Union. Sollte die Zahlung durch den Kunden nicht pünktlich erfolgen, so entstehen dem Unternehmen dadurch Kosten. Lieferantenkredite sind in Deutschland absolut üblich und für ein funktionierendes Wirtschaftssystem nicht mehr wegzudenken. Der Großteil der Kredite in Deutschland sind sogar Lieferantenkredite und nicht Kredite von Kreditinstituten.

 

Welche Bedeutung hat ein Lieferantenkredit?

Lieferantenkredite haben für Unternehmen insbesondere zwei Funktionen.

-       So sind sie zunächst ein Wettbewerbsvorteil. Die Märkte sind im Wesentlichen übersättigt. Unternehmen können für potentielle Kunden aber attraktiver werden, wenn sie die Möglichkeit eines Lieferantenkredites bieten. Lieferantenkrediten kommt daher in der Regel also absatzfördernde Bedeutung zu.

-       Für kreditnehmende Unternehmen sind Lieferantenkredite eine günstige und einfache Form der Fremdfinanzierung, gerade im Vergleich mit konventionellen Bankkrediten. Bankkredite bergen in der Regel einen großen Formalitätsaufwand. Lieferantenkredite sind im Vergleich dazu, deutlich formloser und unkompliziert zu erhalten.

 

Welche Kosten können beim Forderungsmanagement entstehen?

Die Einräumung von Lieferantenkrediten kann für das kreditgebende Unternehmen durchaus mit hohen Kosten verbunden sein und darf nicht unterschätzt werden. Ein wesentlicher Kostenfaktor sind hierbei die Finanzierungskosten. Es kommt zu einer aufgeschobenen Zahlung. Der Lieferant muss diesen Kredit refinanzieren. Dafür kann er Fremdkapital aufnehmen, für das aber Zinsen anfallen. Diese Zinskosten müssen entsprechend gewichtet werden. Sollte der Lieferantenkredit durch eigene Mittel finanziert werden, müssen entsprechende Opportunitätskosten berücksichtigt werden. Opportunitätskosten sind hierbei eher als theoretische Kosten zu verstehen. Es sind Zinsen, die das kreditgebende Unternehmen mit dem Kapital hätte erwirtschaften können.

 

Welche Risiken hat ein Lieferantenkredit für den Kreditgeber?

Insbesondere zwei Risiken sollten bei dem Einräumen von Lieferantenkrediten im Auge behalten werden.

-       Zunächst das Risiko des Forderungsausfalles, also sollte der Kunde nicht mehr zahlen können. Das bedeutet, dass man immer auch das Bonitäsrisiko des Schuldners hierbei übernehmen muss.

-       Das andere wesentliche Risiko ist, dass der Schuldner die Forderung nicht an dem fälligen Zahlungstermin vorsätzlich oder fahrlässig begleicht. Verzögerungen der Zahlung führen automatisch auch dazu, dass Kosten für Fremdkapital oder die Opportunitätskosten steigen. Dadurch wird auch die Liquidität des Kreditgebers geschmälert, da der Zahlungszeitraum ansteigt. Besonders problematisch kann dies werden, wenn die pünktliche Zahlung des Kreditnehmers notwendig war um eigenen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können.

Das letztgenannte Risiko ist für den Kreditgeber aber immer noch günstiger, als ein Totalausfall, da eine verzögerte Zahlung immerhin noch bedeutet, dass überhaupt eine Zahlung des Schuldners erfolgen kann. Trotzdem sei auch hier angemerkt, dass das Risiko keinesfalls unterbewertet werden darf. Das Risiko der verspäteten Zahlung kann durch das Einräumen von Skonto minimiert werden. Skonto meint einen Preisnachlass auf den Rechnungsbetrag bei Zahlung innerhalb einer bestimmten Zeit.

Dass keine Zahlung durch den Kunden erfolgt, muss aber nicht immer in der Person des Schuldners zu sehen sein. Auch andere Umstände können einen Ausfall, bzw. Verzögerungsrisiko implizieren. Zum Beispiel staatliche oder politische Entscheidungen. So wäre daran zu denken, dass bestimmte Waren bei länderübergreifenden Handel, durch staatliche Organe beschlagnahmt oder vernichtet werden können. Die Risiken des Lieferantenkredits beinhalten immer auch eine länderspezifische Komponente.

-       Weitere Risiken können finanzielle Risiken darstellen, die in Bezug zu dem Aufbau und Unterhalt des Forderungsmanagments stehen. So sind für ein funktionierendes Forderungsmanagment sicherlich Ressourcen und personelle Unterstützung notwendig. Ein solches unternehmerisches Risiko, dass möglicher Aufwand falsch kalkuliert wurde, stellt sich aber grundsätzlich für jeden Unternehmer und sollte daher als nicht zu hoch gewichtet werden.

 

Welche Aufgaben kommen dem Forderungsmanagement insbesondere der Mahnung zu?

Aufgabe des Forderungsmanagments ist es Risiken der Zahlungsverzögerung oder des Forderungsausfalls zu minimieren und damit die Liquidität des Unternehmens zu erhöhen.

Maßgeblich sind hierbei drei Bereiche.

1. Bonitätsprüfung

Wenn an Kunden Lieferantenkredite gewährt werden, ist es immer auch notwendig, das potentielle Ausfallrisiko ausreichend zu gewichten. Daher ist es notwendig, sich über die Zahlungsfähigkeit der Kunden zu informieren. Die prominenteste Stelle zur Informationsbeschaffung ist sicherlich die SCHUFA.

Es finden sich daneben auch noch andere private Stellen, an denen Auskunft zu erhalten ist. Wobei auch hier anzumerken ist, dass der erhebliche Wettbewerbsdruck, durch die Notwendigkeit der Einräumung von Krediten, immer in einem Spannungsverhältnis mit dem Ausfallrisiko steht. Es kann daher unter Umständen notwendig sein, auch ein entsprechendes Bonitätsrisiko einzugehen, da nur so Aufträge zu erhalten sind. Ziel des Forderungsmanagments ist es daher immer die jeweiligen Risiken in Ausgleich zu bringen.

2. Vertragsgestaltung

Bei der Einräumung von Zahlungskrediten ist immer an eine entsprechende Vertragsgestaltung zu denken. In AGBs und/oder Individualabsprachen müssen die Zahlungsmodalitäten, Rückzahlungstermine und Sicherheiten vereinbart werden. Gerade hier ist es immer ratsam, sich fachmännische Hilfe beispielsweise durch einen Rechtsanwalt zu holen.

3. Mahnung und Inkassowesen

Leider ist ein reibungsloser Ablauf der Zahlungseingänge selten die Regel. Häufig wird nur sehr unpünktlich gezahlt. Daher ist es notwendig säumige Schuldner zumahnen. Hierbei muss zwischen gerichtlichen und außergerichtlichen Mahnverfahren unterscheiden werden.

-       Vor einer gerichtlichen Mahnung (Mahnantrag bzw. Mahnbescheid) ist immer erst an eine außergerichtliche Mahnung zu denken. Dies gebietet schon die Vermeidung von Prozesskosten. Außerdem sollte im Sinne einer guten Kundenbindung, die gerichtliche Auseinandersetzungen ulitma ratio bleiben. Die Mahnungen können sowohl von den Unternehmen selber betreiben werden oder an ein externes Inkassobüro oder einen Rechtsanwalt vergeben werden.

-       Bei gerichtlichen Mahnverfahren besteht immer ein Zeitaufwand und fachmännische Hilfe kann notwendig sein. Wenn keine eigene Rechtsabteilung besteht, kann unter Umständen eine Vergabe an externe Kräfte ratsam sein.

Hierbei sollte vor der Klage, zunächst ein gerichtliches Mahnverfahren ins Auge gefasst werden, da dieses häufig mit niedrigeren Kosten und geringerem Zeitaufwand verbunden ist. Ziel des Mahnverfahrens ist es dabei einen Vollstreckungstitel zu erlangen.  Mit diesem kann der Gerichtsvollzieher dann das Geld beim Schuldner eintreiben. Sollte eine Klage oder ein gerichtliches Mahnverfahren angestrengt werden, müssen immer auch die Prozesskosten entsprechend berücksichtigt werden. Selbst ein gewonnener Prozess kann je nach Bonität des Schuldners eine kostenspielige Angelegenheit werden.

Soweit Fragen bezüglich der Beitreibung von Forderungen bestehen oder Sie Fragen zu einen Mahnbescheid bestehen geben wir gern eine kostenfreie Ersteinschätzung am Telefon.

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RA Scholze

Rechtsanwalt Christoph Scholze
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